Fast 100 Jahre alt und noch immer da | Eines der ältesten Häuser im Märkischen Viertel

historisch altes haus

Am Teschendorfer Weg 22a steht ein kleines Wohnhaus, dessen Geschichte weit vor die Entstehung des Märkischen Viertels zurückreicht. Während ringsherum eine ganze Großsiedlung entstand, blieb dieses Gebäude erhalten. Bei einer historischen Spurensuche sind wir Viertelreporter darauf aufmerksam geworden und haben einen Bewohner getroffen, der seit 1962 dort lebt.

Eine Entdeckung auf alten Luftaufnahmen

Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit der Geschichte des Märkischen Viertels. Dazu gehört auch die Suche nach alten Fotografien und Luftaufnahmen, die zeigen, wie unsere Gegend vor dem Bau der heutigen Wohnsiedlung aussah.

Bei der Durchsicht historischer Luftbilder fiel ein Bereich am heutigen Teschendorfer Weg auf. Der Dannenwalder Weg war auf den betrachteten Aufnahmen noch nicht vollständig in seiner heutigen Form ausgebaut. Ein schmaler Weg führte weiter in Richtung des späteren Grenzstreifens.

Beim Vergleich mit aktuellen Luftaufnahmen wurde deutlich, wie sehr sich die Gegend verändert hat. Viele der heutigen Straßen und Wohngebäude existierten damals noch nicht. Gleichzeitig waren auf den historischen Aufnahmen kleinere Gebäude zu erkennen, die inzwischen verschwunden sind. Doch eines fiel besonders auf. Ein kleines Haus, das bereits damals dort stand, schien auch heute noch erhalten zu sein.

Quelle: © Landesarchiv Berlin, Histomap Berlin – https://histomapberlin.de/de/index.html

Die Neugier war geweckt. Also machten wir uns auf den Weg, um nachzusehen.

Und tatsächlich. Am Teschendorfer Weg 22a steht noch immer ein kleines, eingeschossiges Wohnhaus mit einem Garten und einem geneigten Ziegeldach. Dahinter sind die Hochhäuser am Dannenwalder Weg zu sehen, die erst Jahrzehnte nach der ursprünglichen Entstehung des Hauses gebaut wurden.

Ein Gespräch mit jemandem, der die Veränderungen selbst erlebt hat

Bei dem Besuch blieb es nicht bei den Fotografien. Wir klingelten an der Haustür, in der Hoffnung, vielleicht jemanden anzutreffen, der etwas über die Vergangenheit des Hauses erzählen könnte.

Ein älterer Herr öffnete die Tür und begrüßte uns sehr freundlich. Als wir ihm erzählten, weshalb wir uns für sein Haus interessierten, entwickelte sich ein längeres Gespräch über die Geschichte des Gebäudes und die Veränderungen der gesamten Umgebung.

Nach seiner Erzählung wurde bereits 1926 eine Baugenehmigung für ein Gartenhaus erteilt. Die entsprechenden Unterlagen besitzt er nach eigenen Angaben noch heute. Er berichtete außerdem von späteren Änderungen in den Unterlagen, auch aus der Kriegszeit. Aus dem ursprünglichen Gartenhaus wurde im Laufe der Jahre ein Wohnhaus.

Seit 1962 lebt er auf dem Grundstück. Zunächst wohnte er dort zur Miete, später kaufte er das Haus. Damit kam er in diese Gegend, noch bevor die große Wohnsiedlung entstand, die heute als Märkisches Viertel bekannt ist.

Wo heute Hochhäuser stehen, gab es damals noch Ackerflächen

Das Märkische Viertel wurde überwiegend zwischen 1963 und 1974 errichtet. Auf dem Gelände befanden sich zuvor zahlreiche Gärten, Wohnlauben und kleinere Gebäude. Innerhalb weniger Jahre veränderte sich das Gebiet grundlegend. Neue Straßen, Wohnhäuser und Einrichtungen entstanden.

Er erinnerte sich daran, dass in seiner Umgebung früher noch Ackerflächen lagen. Er erzählte von Kaninchen und einem Bauern, der damals noch mit seinem Traktor durch die Gegend fuhr. Wo sich heute Straßen und große Wohnhäuser befinden, war das Gebiet zu jener Zeit noch von einer ganz anderen Nutzung geprägt.

Im Gespräch fiel ihm kein weiteres Wohnhaus aus seiner damaligen Nachbarschaft ein, das bis heute erhalten geblieben ist. Das bedeutet nicht, dass sein Haus nachweislich das einzige verbliebene Gebäude aus dieser Zeit ist. Es zeigt aber, wie umfassend sich die Umgebung verändert hat.

Auch den Abriss eines alten Bunkers hat er noch miterlebt

Der Bewohner erzählte, dass er den Abriss von Überresten eines alten Bunkers am Wilhelmsruher Damm selbst gesehen habe. Gemeint ist der unvollendete Hochbunker im Bereich der heutigen Kreuzung Wilhelmsruher Damm, Dannenwalder Weg und Treuenbrietzener Straße. Dort war während des Zweiten Weltkriegs ein Hochbunker vom Typ M 1200 vorgesehen, der jedoch nie fertiggestellt wurde. Auf einer historischen Übersicht des Vereins Berliner Unterwelten ist der Standort als Baustelle verzeichnet.

Über diesen und weitere Bunkerstandorte haben wir bereits im Beitrag „Bunker in Reinickendorf. Was noch steht und was verschwunden ist“ berichtet. Wann genau die Überreste des unvollendeten Bunkers verschwanden, geht aus den bisher verwendeten historischen Informationen nicht hervor. Für Menschen, die heute im Märkischen Viertel leben, ist kaum noch vorstellbar, dass sich an dieser Stelle einmal eine solche Baustelle befand.

Das Haus wird bis heute gepflegt

Der Bewohner berichtete, dass im Laufe der Zeit immer wieder Arbeiten notwendig waren. Das Dach wurde erst vor vergleichsweise kurzer Zeit erneuert. Als Nächstes möchte er auch die Fassade neu streichen lassen.

Ein Stück Geschichte, das noch immer bewohnt wird

Der Bewohner hatte nichts dagegen, dass wir Viertelreporter sein Haus fotografieren und seine Erzählungen für einen Beitrag verwenden. Dafür gebührt ihm ein herzlicher Dank.

Ob es sich sogar um das älteste noch erhaltene Wohnhaus im Märkischen Viertel handelt, lässt sich ohne eine umfassendere historische Untersuchung nicht abschließend feststellen. Die vom Bewohner erwähnte Baugenehmigung stammt aus dem Jahr 1926 und liegt damit genau 100 Jahre zurück. Zusammen mit den historischen Luftaufnahmen macht sie das Gebäude zu einem besonders interessanten Zeugnis aus der Zeit vor der Großsiedlung.

Wenn du heute durch das Märkische Viertel gehst, siehst du Straßen, Wohnhäuser und Wege, die dir längst vertraut sind. Doch nur noch wenige Menschen können aus eigener Erinnerung erzählen, wie diese Gegend aussah, bevor die Großsiedlung entstand.

Der Bewohner am Teschendorfer Weg gehört zu diesen Menschen. Sein Haus steht noch immer an derselben Stelle, während sich die Umgebung innerhalb seines Lebens grundlegend verändert hat.

Vielleicht ist das die eigentliche Bedeutung solcher Begegnungen. Historische Aufnahmen können uns zeigen, was früher einmal existierte. Doch erst durch die Erinnerungen der Menschen erfahren wir, wie es war, dort zu leben.

ByLux

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