Nach fast 31 Jahren im Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedet sich Michael Dietmann aus der Politik. Am 29. Oktober endet mit der konstituierenden Sitzung des neuen Abgeordnetenhauses seine parlamentarische Tätigkeit. Der CDU Politiker, der selbst im Märkischen Viertel aufgewachsen ist, hat sich über Jahrzehnte für das Märkische Viertel und Lübars eingesetzt.
In seinem Abschiedsvideo blickt er auf 539 Plenartage, mehr als 1.000 Ausschusssitzungen und zahlreiche politische Vorhaben zurück. Er spricht über die Verlängerung der U8, die Zukunft des Märkischen Zentrums und viele weitere Aufgaben, deren Umsetzung teilweise noch bevorsteht.
Auch wir Viertelreporter möchten uns von Michael Dietmann verabschieden. Nicht mit einer politischen Bewertung seiner gesamten Arbeit, sondern mit einem persönlichen Dank für die Zusammenarbeit in all den Jahren.
Von Anfang an war klar, dass wir politisch nicht dieselben Positionen vertreten. Für die Zusammenarbeit im Märkischen Viertel spielte das aber keine Rolle. Uns ging es um die Menschen im Viertel und um ihre Anliegen. Und wenn wir seine Unterstützung brauchten, konnten wir uns an ihn wenden.
Ein Beispiel ist die Brücke am Mittelfeldbecken. Ihr Zustand hatte uns über längere Zeit beschäftigt. Immer wieder wurde sie ausgebessert, obwohl weiterhin Schäden sichtbar waren. Wir berichteten mehrfach darüber und machten schließlich auch Michael Dietmann darauf aufmerksam.
Er ging selbst zur Brücke und teilte uns zunächst mit, dass er keine größeren Schäden feststellen konnte. Wir erklärten ihm daraufhin, an welchen Stellen die Probleme zu erkennen waren und dass er sich die Brücke auch von unten ansehen müsse.
Er ging noch einmal hin, schaute genauer nach und nahm unsere Hinweise ernst. Anschließend setzte er sich mit seinen politischen Möglichkeiten für eine Lösung ein. Die Brücke wurde schließlich vollständig erneuert.
Auch ein anderes Erlebnis ist uns bis heute in Erinnerung geblieben.
Ein älterer Leser berichtete uns damals, dass Rettungskräfte Schwierigkeiten hatten, seine Adresse am Möbelweg zu finden. Wer über den Senftenberger Ring kam, konnte die Hausnummer nicht ohne Weiteres erkennen. Dadurch ging bei Rettungseinsätzen wertvolle Zeit verloren.
Wir wollten helfen, wussten aber nicht, an welche Stellen wir uns wenden mussten, um eine entsprechende Beschilderung zu erreichen. Also baten wir Michael Dietmann um Unterstützung.
Er nahm das Anliegen auf und kümmerte sich darum. Schließlich wurde eine große, deutlich erkennbare Ausschilderung angebracht.
Doch unsere Zusammenarbeit beschränkte sich nicht nur auf solche Anliegen.
Dass Michael Dietmann mit dem Märkischen Viertel nicht nur politisch, sondern auch persönlich verbunden ist, haben wir bei einem unserer historischen Fotoprojekte erlebt.
Für unsere Ausstellung mit alten Aufnahmen aus dem Märkischen Viertel hatten wir ein Foto aus seiner Kindheit erhalten. Es zeigte ihn Mitte der 1970er Jahre auf einem Klettergerüst am Dannenwalder Weg.
Wir fragten ihn, ob er bereit wäre, für unser Projekt noch einmal an diesen Ort zurückzukehren und die damalige Aufnahme mit uns nachzustellen. Er sagte sofort zu.
Ohne Bedingungen, ohne den Wunsch nach einer besonderen öffentlichen Erwähnung. Er nahm sich die Zeit, traf sich mit uns am damaligen Aufnahmeort und unterstützte damit ein Projekt, bei dem es vor allem darum ging, die Geschichte unseres Viertels sichtbar zu machen.
So entstanden zwei Aufnahmen, zwischen denen rund fünf Jahrzehnte liegen. Ein Kind, das im Märkischen Viertel aufwuchs, und derselbe Mensch viele Jahre später am selben Ort.
Für uns war das eine besondere Begegnung. Denn an diesem Tag stand nicht der Politiker Michael Dietmann im Mittelpunkt, sondern ein Mensch, dessen eigene Lebensgeschichte eng mit der Geschichte unseres Viertels verbunden ist.
Diese Erlebnisse sind nur einige Beispiele aus vielen Jahren, die zeigen, weshalb wir die Zusammenarbeit mit ihm geschätzt haben.
Natürlich waren wir politisch nicht immer einer Meinung. Das müssen wir auch nicht sein. Als unabhängige Lokalredaktion gehört es zu unserer Aufgabe, politische Entscheidungen kritisch zu begleiten und Fragen zu stellen. Aber ebenso gehört es für uns dazu, anzuerkennen, wenn jemand Verantwortung übernimmt und sich für die Anliegen anderer Menschen einsetzt.
Michael Dietmann war für uns über viele Jahre ein Ansprechpartner, der erreichbar war, sich Zeit nahm und auch dann noch einmal hinsah, wenn eine Angelegenheit beim ersten Versuch nicht geklärt werden konnte.
Lieber Michael, wir möchten dir für all die Jahre danken. Für deine Unterstützung, deine Offenheit gegenüber unseren Fragen und die Bereitschaft, dich auch um Probleme zu kümmern, die auf keiner großen politischen Tagesordnung standen.
Wir wünschen dir für deinen weiteren Lebensweg alles Gute.
Und eines möchten wir zum Abschluss noch sagen: Politische Überzeugungen können Menschen voneinander unterscheiden. Sie sollten uns aber nicht daran hindern, die Leistungen eines anderen Menschen anzuerkennen. Denn wer sich für seine Mitmenschen einsetzt, verdient es, dass dieses Engagement gesehen wird, auch von denen, die politisch anders denken.
