Gestern Abend erreichte die Redaktion eine WhatsApp Nachricht von einer uns unbekannten Telefonnummer. Der Inhalt wirkte auf den ersten Blick wie eine persönliche Nachricht einer schwer kranken Frau, die ihr Vermögen verschenken möchte.
Die Nachricht begann mit einer Entschuldigung für die Kontaktaufnahme und führte dann eine lange Geschichte über Krankheit, Verlust und ein angebliches Vermögen in Höhe von 15 Millionen Euro aus.
Wörtlich hieß es:
Hallo, bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie über diesen Kanal kontaktiert habe. Ich habe gerade Ihr profil entdeckt und mir wurde gesagt, dass Sie die richtige Person für meinen Ansatz sein könnten.
Mein name ist Roser Haferkorn. Ich komme aus Deutschland und Lebe derzeit in österreich. Leider leide ich an einer schweren, unheilbaren Krankheit : Kehlkopfkrebs. Mein Hausarzt hat mir kürzlich mitgeteilt, dass ich nicht mehr viel Zeit zum Leben habe. Ich habe auf meinem Bankkonto einen Betrag von 15.000.000 Euro, den ich als Spende an eine Person weitergeben möchte, die ehrlich, gutmütig und in der Lage ist, Sie nützlich und verantwortungsbewusst zu nutzen. Ich besitze eine Immobiliengesellschaft, deren Aktien international vermarktet werden. Nach meinem Tod gehen jedoch alle diese Anteile an meine Partner zurück. Aus diesem Grund möchte ich dieses Geschenk zu Lebzeiten an eine andere Person weitergeben.
Vor acht Jahren habe ich meinen Mann und unseren 12-jährigen Sohn bei einem tragischen Autounfall verloren. Er war das einzige Kind, das wir hatten, und wir hatten nie andere Kinder. Diese Prüfung hat mich tief geprägt. Seit Ihrem Tod habe ich nicht mehr geheiratet. Mein Wunsch ist es also, diese Summe vor meinem Tod an eine Vertrauenswürdige Person zu übergeben. Andernfalls würde die Bank mein gesamtes Vermögen nach meinem Tod in Besitz nehmen, was ich vermeiden möchte.
Die Nachricht wirkt nicht zufällig. Sie ist so aufgebaut, dass Menschen sich persönlich angesprochen fühlen. Genau darin liegt die Gefahr.
Die Redaktion kennt bereits einen ähnlichen Fall aus dem Märkischen Viertel. Eine Seniorin aus dem Viertel war vor einiger Zeit auf eine vergleichbare Geschichte hereingefallen. Damals ging es ebenfalls um ein angebliches Erbe. Am Ende wurden Zahlungen verlangt. Der Fall wurde angezeigt.
Auch die aktuelle Nachricht folgt typischen Mustern sogenannter Vorschussbetrugsmaschen.
Dazu gehören:
• große Geldsummen
• persönliche Schicksalsschläge
• angebliche Vertrauensbeweise
• zufällige Kontaktaufnahme
• Zeitdruck oder emotionale Bindung
• spätere Forderungen nach Gebühren, Ausweisen oder Kontodaten
Der eigentliche Betrug beginnt oft erst später. Anfangs geht es meist darum, Vertrauen aufzubauen.
Besonders auffällig war gestern Abend eine andere Situation. Die Nachricht hat Viertelreporter Lux seiner neunjährigen Tochter vorgelesen, um ihre spontane Reaktion zu sehen. Sie hielt sich sofort die Hand vor den Mund und sagte sinngemäß, was für ein Glück das sei. Für sie wirkte die Nachricht echt. Der Gedanke, plötzlich ausgewählt worden zu sein und dass sich das Leben verändern könnte, erschien glaubwürdig.
Danach wurde ihr erklärt, warum solche Nachrichten Betrug sein können und wie solche Geschichten gezielt aufgebaut werden.
Genau das zeigt, warum diese Maschen funktionieren. Sie sprechen nicht nur Gier an. Sie sprechen Hoffnung an. Das Gefühl, endlich gesehen worden zu sein oder plötzlich Glück zu haben.
Viele Menschen würden vermutlich von sich sagen, dass sie niemals auf so etwas hereinfallen würden. In der Realität wirken solche Geschichten aber oft anders, wenn sie direkt auf dem eigenen Handy erscheinen und persönlich formuliert sind.
Wichtig ist deshalb:
• keine Daten senden
• keine Dokumente verschicken
• keine Zahlungen leisten
• unbekannte Nummern prüfen
• Chats und Nummern bei WhatsApp melden
• Angehörige und ältere Menschen informieren
Der Beitrag hier soll zeigen, wie solche Nachrichten tatsächlich aussehen und warum sie gefährlich werden können.
Manchmal reicht schon ein einziger Moment Hoffnung aus, damit Menschen ihre Vorsicht verlieren.
Die Beitragsgrafik ist eine künstlerische darstellung, basiert zwar auf einem echten Foto, wurde aber künstlich erstellt.
